Šiauliai
Die meisten Besucher von Šiauliai kommen aus einem Grund: dem Berg der Kreuze, einer der außergewöhnlichsten und bewegendsten Sehenswürdigkeiten Europas. Doch die Stadt selbst, Litauens viertgrößte, hat ihren eigenen Charakter, der einige Stunden Erkundung wert ist.
Hill of Crosses near Šiauliai
Šiauliai auf einen Blick
Top-Sehenswürdigkeiten in Šiauliai
Praktische Tipps für Šiauliai
Šiauliai ist mit Bahn und Straße gut erreichbar. Von Vilnius mit dem Zug ca. 2 Stunden, von Kaunas ca. 1,5 Stunden. Der Berg der Kreuze liegt 12 km nördlich des Zentrums, leicht mit dem Taxi oder Linienbus zu erreichen (Fahrplan beachten). Die meisten Besucher verbinden den Berg der Kreuze mit einem Halt in Šiauliai, bevor sie nach Klaipėda oder Riga weiterreisen.
Essen und Trinken in Šiauliai
Šiauliai bietet eine geradlinige, ehrliche Essensszene. Im Zentrum gibt es traditionelle litauische Küche: dunkles Roggenbrot, verschiedene Schweinegerichte, kräftige Suppen und Kartoffelgerichte. Der Samstagsmarkt im Zentrum ist gut für lokale Produkte. Die Stadt hat keine besonders herausragende Restaurantszene wie Vilnius oder Kaunas, aber gemütliche und preiswerte Optionen für einen Mittagsstopp vor oder nach dem Berg der Kreuze.
Mehr als eine Sehenswürdigkeit
Die meisten Reisenden kommen mit einem Ziel im Kopf nach Šiauliai: dem Berg der Kreuze. Das ist sehr verständlich. Der Berg der Kreuze ist außergewöhnlich. Doch die Stadt allein auf diese eine Stätte zu reduzieren wird ihr nicht gerecht. Šiauliai ist die viertgrößte Stadt Litauens, das Zentrum der nördlichen Region, mit einer eigenen Industrie- und Kulturgeschichte, die einige Stunden Erkundung lohnt.
Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, deshalb besteht das Zentrum heute überwiegend aus Nachkriegsbauten und nicht aus historischer Architektur. Was sie dafür hat, ist ein gewisser nüchterner nordlitauischer Charakter: breite Straßen, ein lebhafter Samstagsmarkt, eine ordentliche Auswahl an Restaurants und Cafés und eine Bevölkerung, die etwas zurückhaltender wirkt als in Vilnius, aber nicht weniger freundlich, sobald der Kontakt steht.
Die umliegende Region Žemaitija ist eine der eigenständigsten Litauens, mit eigenem Dialekt, eigenen Volksbräuchen und einem leicht melancholischen Wesen. Die Žemaiten sind in ganz Litauen für ihre Sturheit bekannt, was sie als Kompliment auffassen. Ihre Region hielt am längsten gegen die Christianisierung stand, am längsten gegen die Eingliederung in größere Staaten und am längsten gegen verschiedene Besatzer.
Der Berg der Kreuze im Detail
Der Berg liegt etwa 12 Kilometer nördlich des Stadtzentrums, in 15 Minuten mit dem Taxi oder mit dem Linienbus erreichbar. Die Anlage selbst ist nicht groß, ein flacher Hügel, der sich nur wenige Meter aus dem flachen Umland erhebt, erreichbar über einen Pfad durch ein kleines Kiefernwäldchen. Was ihn bedeckt, macht ihn unvergleichlich.
Niemand weiß genau, wie viele Kreuze dort stehen. Schätzungen reichen von 100.000 bis über 200.000, über Generationen hinweg gewachsen. Sie reichen von winzigen Blechkreuzen, kaum so groß wie ein Finger, bis zu kunstvollen fünf Meter hohen Holzkonstruktionen. Katholische Kreuze und litauische Volkskreuze, Kreuze mit Fotos und Namen der Verstorbenen, Kreuze von Pilgern aus Dutzenden Ländern. Papst Johannes Paul II. besuchte den Ort 1993 und ließ selbst ein Kreuz zurück. Die Sowjets ließen die Stätte zwischen 1961 und 1975 dreimal mit Bulldozern niederreißen. Jedes Mal standen die Kreuze nach wenigen Wochen wieder. Der Ort hat alles überdauert.
Wenn möglich, früh am Morgen besuchen. Im flachen Licht wird das Ausmaß deutlicher, und der Klang von Wind durch Tausende Kreuze, Glocken und Andenken hat eine Qualität, die sich kaum beschreiben lässt.